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Es ist Tradition, dass der Träger- und Förderverein ehemalige Synagoge Obernbreit e.V. am Tag des offenen Denkmals die ehemalige Synagoge den Besuchern zeigt und zum Ende des Tages eine besondere Veranstaltung anbietet.

Es ist Tradition, dass der Träger- und Förderverein ehemalige Synagoge Obernbreit e.V. am Tag des offenen Denkmals die ehemalige Synagoge den Besuchern zeigt und zum Ende des Tages eine besondere Veranstaltung anbietet. Heuer war Prof. Manfred Weiß von der Uni Würzburg gekommen zu einem Vortrag mit dem Titel:“Die Entwicklung des fränkischen Landjudentums seit dem 19. Jahrhundert“.
Eine Erfolgsgeschichte war es nicht, was Prof. Weiß präsentieren konnte. Zwar erhielten die jüdischen Bewohner Bayerns mehr und mehr Rechte, fast ganz gleichberechtigt wurden sie aber erst mit der Reichsgründung von 1817, als Religionsgemeinschaft anerkannt wurden sie sogar erst durch die Weimarer Verfassung von 1919. Durch detaillierte Zitate aus den Gesetzen und Verordnungen der Zeit belegte Weiß, welcher Wandel sich vollzog, indem er die Entwicklung der Obernbreiter jüdischen Gemeinde in den gesamtdeutschen Zusammenhang stellte.
1817, als die jüdischen Familien in den Judenmatrikeln registriert wurden, hatten die Obernbreiter Juden Berufe wie „Ellenwarenhandel“, Viehhändler“ „Handel mit altem Eisen“ oder „Viehschmuser“ aber auch „Weinhandel“. Erst 1825 wurde eine jüdische Familie mit der Berufsbezeichnung „Feldbau“ registriert.
Kurz nach 1817 war die jüdische Gemeinde Obernbreits die größte im damaligen Landgerichtsbezirk Marktsteft einschließlich Marktbreit. In der Stadt Würzburg gab es nur acht jüdische Familien – in Obernbreit 26.
In dem Maße wie auch die Juden ihren Wohnsitz freizügiger wählen konnten und wie ein Eisenbahnanschluss für die Wirtschaftsentwicklung wichtiger wurden, gingen die Einwohnerzahlen der Kultusgemeinden in den Dörfern zurück zugunsten der neuen Wirtschaftszentren. In Obernbreit verlief die demographische Entwicklung parallel.
Nach eingehender Darstellung des Tiefstpunktes der deutsch-jüdischen Geschichte, dem 1./10 November 1938 schloss der Referent mit dem Nachweis wie die Nazis damit breite Bevölkerungskreise zu Mitwissern und damit letztlich zu Mitverantwortlichen machten. Das Auditorium dankte dem Referenten, nachdenklich geworden, mit herzlichem Beifall.

Das Foto zeigt Prof. Weiß im anschließenden Gespräch mit Zuhörern.

Prof. Weiß (2.v.l.) im anschließenden Gespräch mit Zuhörern. Foto: Scherer
Die Erfahrung, wie wenig Einsicht und Achtung vor den Mitmenschen immer noch einige in Deutschland haben, mussten die Leser einer seriösen großen Zeitung am folgenden Morgen machen, als sie auf der ersten Seite die alarmierende Zeile zur Kenntnis nehmen mussten: „Verleumdet, verprügelt: Juden in Deutschland 2012“.