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Das Forum Ziviler Friedensdienst und der Träger- und Förderverein ehemalige Synagoge Obernbreit e.V. hatten zu einem Vortrag über Friedensdienst im Nahen Osten ins Rathaus Obernbreit eingeladen. Knapp über 30 Besucher ließen sich von der Friedensfachkraft Niko Pewesin über die schwierige Materie informieren.

Das Forum Ziviler Friedensdienst und der Träger- und Förderverein ehemalige Synagoge Obernbreit e.V. hatten zu einem Vortrag über Friedensdienst im Nahen Osten ins Rathaus Obernbreit eingeladen. Knapp über 30 Besucher ließen sich von der Friedensfachkraft Niko Pewesin über die schwierige Materie informieren.
Und der Referent machte sein Publikum zunächst vertraut mit den überaus komplizierten politischen Verhältnissen im Westjordanland: Es ist in drei Zonen eingeteilt. In einer übt Israel allein die staatliche Herrschaft aus, in einer anderen teilen sich Israelis und Palästinenser die Macht und in der dritten, der kleinsten, sind die Palästinenser quasi souverän. Und um die Lage noch undurchsichtiger zu machen, gibt es auch noch innerhalb des Gebietes Unterschiede: Im Jordantal selbst gelten noch einmal strengere Erlasse.
An den Konsequenzen dieser von internationalen Verträgen und der israelischen Sicherheitspolitik bestimmten Verhältnissen leiden die Palästinenser der Region: Beschränkung der Niederlassungs- und Bewegungsfreiheit, des freien Handels und am Mangels an Bildungseinrichtungen.Folglich wandern die Jungen ab in die Nachbarstaaten, weil sie zu Hause keine Perspektiven sehen.
In diese politischen Großwetterlage spielt sich die Arbeit der Friedensfachleute ab. Ihr Auftrag ist es, sich nicht in die „große Politik“ einzumischen und stattdessen die palästinensische Zivilgesellschaft zu stärken. – Friedensfachkräfte mit entsprechendem Auftrag arbeiten auch in Israel. –
Da auch „die Palästinenser“ keine homogene Ethnie sind, gibt es genügend Anlass Frieden zu stiften und eine Zivilgesellschaft aufzubauen und Konflikte zu lösen zwischen den im Jordantal lebenden Beduinen, Flüchtlingen, alteingesessenen und zugewanderten Familien.Dabei ist oberstes Prinzip: Do No Harm. Das scheint ein paradoxes Motto zu sein; ist es doch selbstverständliche Aufgabe des Friedensdienstes zu helfen und nicht zu schaden. Aber Pewsin nennt anschauliche Beispiele, wie ein und dasselbe Projekt eine Gesellschaft zusammenführen und spalten kann. Um nicht unbeabsichtigte Nebeneffekte auszulösen, braucht es Kenntnisse, Sensibilität und vor allem geduldige Dialoge mit allen möglicherweise Betroffenen- also Friedensfachleute.
Niko Pewesin führte seinem Publikum plastisch vor Augen, wie anspruchsvoll seine Arbeit in Jericho war, und dass man nicht auf die große Lösung hoffen solle, sondern es auf kleine Schritte ankomme.

Friedensfachkraft Niko Pesewin bei seinem Vortrag in Obernbreit. Foto: Scherer


Angesichts der unbefriedigenden politischen Verhältnisse in der Region bilanzierte er seine Arbeit seine Arbeit in Jericho: „Ich bin nicht frustriert“. Und das klang keineswegs resigniert sondern zufrieden und optimistisch.
Nach dem Ende seines etwa einstündigen Referats blieb Niko Pewesin noch zwei weitere Stunden in Obernbreit, um Fragen zu beantworten und sich mit den Gästen zwanglos zu unterhalten.