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Wenn zwei Fördervereine ehemaliger Synagogen gemeinsam auf Exkursion gehen, darf natürlich der Besuch eines solchen Gebäudes nicht fehlen. In diesem Fall war es die ehemalige Synagoge in Floß.

Wenn zwei Fördervereine ehemaliger Synagogen gemeinsam auf Exkursion gehen, darf natürlich der Besuch eines solchen Gebäudes nicht fehlen. In diesem Fall war es die ehemalige Synagoge in Floß. Beim vom Historismus geprägten, neoklassizistischen an christliche Kirchen angenäherten Sakralbau folgte man auch bei der Rekonstruktion einem ganz anderen Restaurierungskonzept als in Kitzingen und vor allem in Obernbreit, indem man in Floß die Blessuren der Geschichte nicht nur heilte sondern wo möglich den jeweiligen Zeitgeschmack noch betonte.

Es folgte eine zweistündige Führung durch das ehemalige Konzentrationslager. Obwohl von den Gebäuden nur noch wenig zu sehen ist, gelang es der jungen Gästebetreuerin durch ihre sachliche und distanzierte Vortragsweise das Leben der Häftlinge zu schildern. Niemand unter den Gästen konnte sich vorstellen, zu welch barbarischen Methoden verrohte Deutsche fähig waren. Sie behandelten die Häftlinge als Un- und Untermenschen indem sie selbst jede erdenkbare unmenschliche Grausamkeit begingen. Ausdrücken ließe sich die Betroffenheit von uns Nachgeborenen vielleicht so:

„Von allem Leid, das diesen Bau erfüllt

Ist unter Mauerwerk und Eisengittern

Ein Hauch lebendig, ein geheimes Zittern,

Das andrer Seelen tiefe Not enthüllt.“

(Albrecht Haushofer: Moabiter Sonette)

 

Foto: Heidecker

Auch der Autor dieser Strophe gehörte zu denen, die nach dem gescheiterten Attentat am 20. Juli 1944 verhaftet und ermordet wurden. Die kurze Feier zu diesem Tag fand auf dem Platz, wo neben am Attentat direkt Beteiligte, aber auch z. B. Dietrich Bonhoeffer der Dichter des Liedes : „Von guten Mächten wunderbar geborgen . . . „ getötet wurden, statt. Gerade vor dem Hintergrund des Lagers und dessen Gräuel ist es schwer verständlich, dass die, welche das Regime beseitigen und egal welches Gesellschaftsbild sie verwirklichen wollten, für ihr Tun auch nach 1945 als Vaterlandsverräter beschimpft und ihren Frauen die Rente als Kriegerwitwe verweigert wurde, weil die Männer des 20. Juli „unehrenhaft aus der Wehrmacht ausgeschlossen“ worden waren - von denen, die für ein System Flossenbürg verantwortlich waren!

Da an diesem Tag gerade das jährliche Treffen der ehemaligen Häftlinge und eines internationalen Jugendcamps endete, waren die Besucher Zeugen, wie Jugendliche aus verschiedenen Nationen in den jeweiligen Landessprachen das Versprechen abgaben, dass in ihren Ländern ein solches System nie eine Chance haben solle. Dieser hoffnungsvolle Eindruck wurde beeinträchtigt, wenn man am nächsten Tag in den Zeitungen über die Aktionen der Neonazis las. Man muss befürchten, dass Bert Brecht recht hatte: „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“ (Arturo Ui).