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Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts lebten Mitglieder der Familie Sänger in Obernbreit. Während der meisten Zeit hatten sie ein Teilgeschäft am Marktplatz und waren angesehene Mitbürger. Mit der Deportation von Rudolf und Leopold Sänger 1942 endete die Familiengeschichte tragisch.


Das Internet und die Aktivitäten des Träger- und Fördervereins ehemalige Synagoge Obernbreit e.V. führten jetzt zu einem Familientreffen von Nachkommen der Sängers aus Frankreich und USA.
Außer dem Besuch des jüdischen Friedhofs in Rödelsee besichtigten die Gäste an Hand der Aufzeichnungen, die einer aus der Familie 1927 gemacht hatte, die dort aufgeführten zentralen Orte jüdischen Lebens in Obernbreit: das Haus, wo am Sabbat für alle das Essen warmgehalten wurde, den Garten, wo man die Hochzeiten feierte, die jüdische Schule, den Platz wo am Abend vor Pessach, das verbrannt wurde, was über die Feiertage nicht im Haus sein durfte.
Natürlich stand auf dem Besuchsprogramm die ehemalige Synagoge und das Sängerhaus ganz oben. Der Aufenthalt in der ehemaligen Synagoge, die einer ihrer Vorfahren beschrieben hat,weckte in ihnen naturgemäß mehr Emotionen als nur Dankbarkeit und Ehrfurcht vor einem geretteten historischen Denkmal.

Familie Mayet in der ehemaligen Synagoge
Familie Mayet in der ehemaligen Synagoge. Foto: Heidecker


Zu einer besonderen Begegnung kam es vor dem ehemaligen Haus der Sängers. Ein zufällig vorbei kommender Bürger, angesprochen, ob er sich noch an die Sängers erinnere, berichtete, wie er als 13 jähriger den 9. November 1938 erlebte: „ Hier lag alles voll zerbrochenem Geschirr, Möbelstücken und Papier; dazwischen Stoffballen; alles hier mitten auf der Straße.“
Die Besucher verabschiedeten sich mit einem Geldgeschenk an den Verein, begleitet von einer Strophe aus dem Gedicht der französischen jüdischen Chansonsängerin Barbara mit dem Titel „Göttingen“ auf deutsch:

„Lasst diese Zeit nie wiederkehren,                   
und nie mehr Hass die Welt zerstören.              
Es wohnen Menschen, die ich liebe,                   
in Göttingen, in Göttingen.                                 

Doch sollten wieder Waffen sprechen,
Es würde mir das Herz zerbrechen!
Wer weiß, was dann noch übrig bliebe,
von Göttingen, von Göttingen.“