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Nachkriegsgeschichte aufzuklären, hatten der Förderverein ehemalige Synagoge Kitzingen, der AK Ge(h)wissen Iphofen und der Träger- und Förderverein ehemalige Synagoge Obernbreit e.V. eingeladen.

In einem zweigeteilten Abend brachte Jim G. Topias vom „Nürnberger Institut für NS-Forschung und jüdische Geschichte des 20. Jahrhunderts“ seinem Auditorium in der Alten Synagoge Kitzingen nahe, dass das Kriegsende im Mai 1945 für Millionen keine Befreiung war, sondern der Beginn eines langen Wartens in Lagern.

Im einstündigen historischen Teil machte der Referent mit den Fakten bekannt: Schon 1943 hatten die Alliierten Pläne ausgearbeitet, wie die Millionen von Kriegsgefangenen, Zwangsarbeitern und befreite KZ-Insassen in ihre Heimatländer repatriiert werden sollten. In sechs Monaten wollten sie dies bewerkstelligt haben. Was sie nicht bedacht hatten, war, dass viele nicht „nach Hause“ wollten, weil sie – besonders in Polen und im sowjetischen Einflussbereich - mehr als unwillkommen waren. Als Folge entstanden in den westlichen Besatzungszonen eine Unzahl von Lagern für diese DPs (displaced persons – Personen, die nicht in ihrer Heimat leben) in Kasernen der Wehrmacht, bisherigen Konzen­trationslagern oder enteigneten Ländereien von Nazigrößen. Darin waren zunächst Kollaborateure und KZ-Häftlinge gemeinsam kaserniert. Nach dem Pogrom in der polnischen Stadt Kielec im Juli 1946 begann eine Fluchtwelle jüdischer Polen ausgerechnet nach Deutschland, wo rein jüdische DP-Lager entstanden als Durchgangsstationen für die Emigration nach USA, Australien und Palästi­na. Dementsprechend wurden dort Vorbereitungen dafür organisiert und regelrechte Verwal­tungsstrukturen aufgebaut. Waisenkinder wurden in eigenen Lagern unterrichtet. Es entstanden Sportvereine, die unter sich Meisterschaften zwischen denen aus den einzelnen Lagern ohne Kon­takt zu den wieder zugelassenen deutschen Vereinen austrugen. Auf enteigneten Höfen ehemaliger Nazigrößen wurden künftige Kibbuzniks ausgebildet. Selbst paramilitärische Ausbildung wurde un­ter den Augen der westlichen Besatzungsmächte organisiert.

Dass die Wartezeit nicht nur perfekt genutzt wurde, bewies der zweite Teil des Abends. Hier wurde anhand von im Video vorgestellten Zeitzeugen aus dem Lager für Waisenkinder in Strüth die inne­re Verfassung der Menschen deutlich. Inzwischen fast 90jährige Betreuer berichteten, dass die Zeit in Strüth zwar zu der schönsten ihrer Jugend zähle, sie aber auch die Schreie der traumatisierten Kinder in der Nacht nicht vergessen haben.

Zum Déjà-vu-Erlebnis wurde die Rückblende aus dem Video: Das Schiff „Exodus“ mit den Kindern aus Strüth wird von der Marine der englischen Mandatsmacht kurz vor der Küste Palästinas abge­fangen. Die Kinder werden zwangsweise nach Deutschland zurückgebracht.