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Zahlreich „wie die Sterne am Himmel und wie der Sand am Meer“ sollten seine Nachkommen werden. Dies war das Versprechen Jahwes an Abraham. (1. Mose 22; 17) Zahlreiche Nachkommenschaft wünschten sich früher nicht nur jüdische Väter. Dieser Wunsch schien für die alteingesessene jüdische Familie Sänger in Obernbreit auf besonders grausame Art nicht in Erfüllung zu gehen. 1942 wurden die beiden letzten Junggesellen der Familie deportiert und im KZ ermordet.

 

Bis 2015 waren alle Versuche, Überlebende der Sängers aufzuspüren und mit ihnen Kontakt aufzunehmen, erfolglos. Das Internet und der Träger- und Förderverein ehemalige Synagoge Obernbreit e.V. machten es möglich, dass am 5. Mai zum zweiten Mal in diesem Jahr Sängers sich in der ehemaligen Synagoge und vor dem Geburtshaus ihrer Vorfahren mit Obernbreitern trafen. Joan Sanger aus Texas erfuhr hier Details aus ihrer Familiengeschichte. Ein Joseph Sänger hatte 1927 eine Familienchronik geschrieben. Das Original liegt in Yad Vashem in Jerusalem, darin ist zu lesen:

„Die beiden Brüder Elias und Jakob hatten zusammen in Obernbreit ein Wollwarengeschäft und verheirateten sich auch dorthin. Reichtümer scheinen keine vorhanden gewesen zu sein. Nur scheint es, dass unser Großvater Jakob, reicher gewesen zu sein, als die Frau seines Bruders Elias. Dies allein war die Ursache der Trennung bzw. der Aufteilung des erwähnten Wollwarengeschäftes. Als Jakob unser Großvater gestorben war, wird wahrscheinlich der [Schwiegervater] die Mitgift seiner Tochter zurückverlangt haben, denn deren Geld war sicher im Geschäft festgelegt. Aus diesem Grunde wird es dem Bruder Elias nicht möglich gewesen sein, das Geschäft zu übernehmen. Elias trat daher aus dem Geschäft aus und handelte für sich.

Später finden wir die ganze Familie Elias Sänger in Dallas Texas. Zuerst gingen die [sechs] Söhne nacheinander fort und dann folgten [um 1860] die Eltern. Sie waren so arm, dass sie sich das Reisegeld von einer Frau "Mayer's Madlaine", welche ich noch persönlich als unsere Waschfrau kannte, leihen mussten um die Amerikareise antreten zu können. Die bedeutende Firma Sanger Brothers in Dallas die vor einigen Jahren für viele Millionen Dollars verkauft wurde, ist ihre Gründung.“

Von einem dieser sechs Söhne stammt Joan Sanger, die sich freute, in Obernbreit Spuren ihrer Familie zu finden. Von diesem Zweig ihrer Vorfahren hatte sie bisher nur wenig Information und keinerlei Vorstellung vom Umfeld jüdischer Menschen in Unterfranken. Mit großer Genugtuung erfuhr der Träger- und Förderverein ehemalige Synagoge Obernbreit e.V. dass der Name Sänger nicht ausgestorben ist, dass vielmehr die Familie unter diesem Namen noch zahlreich in Texas vertreten ist.

Wieder einmal ist die ehemalige Synagoge ihrer Rolle als „Ort der Erinnerung und der Begegnung“ in besonderer Weise gerecht geworden.

Joan Sanger in der ehemaligen Synagoge Obernbreit
Joan Sanger in der ehemaligen Synagoge Obernbreit. Foto: Heidecker