"Das Spiel von Dina und Jovan", zu dem der Förderverein ehemalige Synagoge Kitzingen, der AK Ge(h)wissen Iphofen und der Träger- und Förderverein ehemalige Synagoge Obernbreit e.V. zum Gedenktag an die Opfer des Faschismus in die ehemalige Synagoge in Kitzingen eingeladen hatten, war kein normales Spiel. Beide Personen agierten je als Doppel, als die überlebenden etwa 80jährigen führen sie Bruchstücke ihrer eigenen Biographie vor, während ihre Pendants ihre Rollen als Jugendliche spielen. Das Publikum erlebt die Stadien der Protagonisten von der Vertreibung und Vernichtung ihrer Familien, ihrem Leben unter fremder Identität, den Aufenthalten in Konzentrationslagern bis zur Rückkehr in die Heimat, die keine mehr ist, weil alle Angehörigen und Verwandte nicht mehr da sind. Unvergesslich die Szene, in der Jovan, der bis heute kein Deutsch spricht oder versteht, seinen Aufenthalt im den Lagern „schildert“, indem Wörter wie „Aufstehen“ „Antreten“ - , Blockältester“ - „ Stubenältester“ - „Angetreten“ im schlimmsten deutschen Kasernenton aus ihm geradezu herausbrechen.

Ensemble von

Ensemble von "Das Spiel von Dina und Jovan". Foto: Werner Kappelmann

Dass heute so inflationär verwendete Wort „traumatisiert“ bekommt existentielle Bedeutung, wenn die Zuschauer dargestellt bekommen, wie fast unmöglich es für die beiden ist, eine persönliche Beziehung aufzubauen. Unsicherheit, gegenseitiges Missverstehen und Misstrauen lassen sich zurückführen auf die furchtbaren Erlebnisse. Dazu kommt noch, dass man sich kaum zurecht finden kann in der Wirklichkeit: „Darf man tanzen zu einem deutschen Schlager?“
Die Wirkung auf das Auditorium zeigte sich nach Schluss der Vorstellung. Als das Ensemble anbot, Fragen zu beantworten und ein Feedback erbat, blieb es fast ganz still im Raum. Zu sehr waren die Besucher emotional aufgewühlt und sprachlos, als dass sie mehr als ein „Danke“ äußern konnten. Alles, was in den Szenen geboten wurde, kannte man aus Büchern. aber so mit dem Schicksal von Menschen, die das Grauen miterlebt hatten, konfrontiert zu werden, war mehr als Erinnern.
Dass die Leitungen des AKG und des Gymnasiums Marktbreit es ihren Schülerinnen und Schülern der entsprechenden Klassen ermöglichten, die Vormittagsaufführung zu besuchen, trug bestimmt dazu bei, die Jugendlichen zu sensibilisieren gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.
Vor 75 Jahren wurden die letzten drei Personen jüdischen Glaubens aus Obernbreit deportiert. Der Träger- und Förderverein ehemalige Synagoge Obernbreit e.V. wird im Lauf des Jahres mit einer Textcollage an die zwei Brüder Rudolf und Leopold Sänger erinnern.