Den Förderverein und das Gymnasium Marktbreit verbindet ein schon seit vielen Jahren bestehender Kooperationsvertrag, im Rahmen dessen die Schule kulturelle Veranstaltungen in den Räumen der ehemaligen Synagoge in Obernbreit plant, gestaltet und durchführt.

Weil dort ein entsprechendes Instrument fehlt, wurde der Klavierabend, gestaltet von der Ärztin und Pianistin Dr. med. Mareile Weigt aus Ansbach in die Räume des Gymnasiums verlegt.

Auf dem Bechstein-Flügel der Schule interpretierte Mareile Weigt am Freitag, den 10.03.2017, um 20.00 Uhr insbesondere die Klaviermusik des jüdischen Komponisten Peter Feuchtwanger (1939 – 2016).

Feuchtwanger, ursprünglich aus München, floh mit seiner Familie 1939 nach Haifa und lebte später als Pianist, Komponist und Musikpädagoge in London. Er studierte arabische und indische Musik und verstand sich zeitlebens als ein Vermittler zwischen den kulturellen orientalischen Wurzeln des Judentums im Nahen Osten und den humanistisch-ethischen Werten des Abendlands. Seine Musik war ihm überdies ein Brückenschlag über die vom vorherrschenden religiösen Fundamentalismus seit Jahrzehnten gebeutelte Region Palästinas, in der eine friedliche Koexistenz zwischen Judentum und Islam heute utopischer denn je und in seinen Augen dennoch nicht unmöglich erscheint.

 

OStD Klöhr, 1. Vorsitzender Friedrich Heidecker, Pianistin Dr. Mareile Weigt. Foto: J. Scherer
OStD Klöhr, 1. Vorsitzender Friedrich Heidecker, Pianistin Dr. Mareile Weigt. Foto: J. Scherer

Mareile Weigt, die selbst Meisterkurse Feuchtwangers besucht und sein Werk somit aus erster Hand kennengelernt hat, interpretierte Klavierstücke aus dem Zyklus „Studies in Eastern Idiom“. Die  minimalistische, in ihren feingliedrigen und eingängigen Klangräumen an Erik Satie erinnernde Musik Peter Feuchtwangers wurde von romantischen Werken flankiert, insbesondere von Felix Mendelssohn Bartholdys „Liedern ohne Worte“. Passend zu den einzelnen Klavierwerken trug OStD Friedhelm Klöhr Texte von Walther von der Vogelweide über Shakespeare, Heinrich Heine und Novalis bis hin zu Hugo von Hofmannsthal und Yehuda Amichai vor. Musik und Text verbanden sich zu einer eindringlichen Hoffnung auf die Überwindung kultureller Schranken und spiegelten die Idee einer transnationalen Völkerverständigung; Gedanken, die zutiefst romantisch sind und sich mit Feuchtwangers kulturellen Visionen decken.

Längst ist die Rückbesinnung auf die in größten Teilen verschwundene jüdische Kultur in unserem ländlichen Raum nicht mehr nur  rückwärts gewandt, sondern weitet den Blick auf Schranken, die sichtbar sind, und deren Überwindung unser eigentlicher kultureller wie ethischer Auftrag ist.

Friedhelm Klöhr