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Einen begnadeten Musiker, unterhaltsamen Lehrer und engagierten Botschafter für Verständigung und Frieden hatte der Träger- und Förderverein ehemalige Synagoge Obernbreit e.V. zu einem Ma­rimbafonkonzert in memoriam Pfarrer Walz eingeladen. Angehörige, Freunde, Mitarbeiter und Mit­glieder seiner Kirchengemeinde waren gekommen, um seine Verdienste für den Erhalt der ehemali­gen Synagoge und deren Umgestaltung zu einem Raum des Erinnerns und der Begegnung zu wür­digen. Sie erlebten einen Abend mit einem der weltbesten Marimba-Virtuosen. Ganz im Sinne von Pfr. Walz warb er mit seiner Musik als Botschafter für Völkerverständigung und Mitmenschlich­keit.

Ob er Passagen aus den Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach, aus Bachs Cembalokonzerten oder den original für Harfe komponierten Les Barricades Mystérieuses von François Couperin auf seinem Instrument spielte, immer überraschte er sein Publikum mit seinem Können.

Dass es ihm dabei nicht um Artistik und Effekthascherei ging, wurde besonders deutlich bei seinem Vortrag von Recuerdos de la Alhambra. Eigentlich eine Komposition für Harfe spielte er es mit so viel Einfühlsamkeit und Konzentration, dass den Zuhörern schon ohne seine anschließenden erläuternden Worten die Botschaft klar wurde: Dass es ein friedliches Zusammenleben von Juden, Moslems und Christen in Granada fast tausend Jahre lang gab. Dem Zuhörer blieb es überlassen, den engen Zusammenhang zwischen dem Ende dieser friedlichen Epoche in Spanien mit der Entdeckung Amerikas und dem Beginn der Unterwerfung anderer Völker durch Europäer herzustellen. Musikalisch stellte er diese Relation dadurch her, dass er ein modernes, eigens für das Marimbafon komponiertes Stück spielte mit Elementen aus Afrika, die Sklaven mit einer Urform des Instruments nach Südamerika brachten, wo es durch die von den Konquistadoren unterdrückten Einwohner weiter entwickelt wurde.

Marimbafonspieler Alex Jacobowitz mit Publikum in der ehemaligen Synagoge Obernbreit
Alex Jacobowitz beim Konzert in der ehemaligen Synagoge Obernbreit. Foto: J. Scherer

Ein Herzensangelegenheit aber ist es dem orthodoxen Juden, traditionelle Musik seiner Religion wieder bekannt zu machen. Beim Vortrag dieser Stücke verbinden sich Kunst, Hingabe und Engagement seiner Persönlichkeit zu höchster Musikalität und Ausdrucksstärke. Und dazwischen wird er zum geschickten Lehrer, der die Tonsprache der Klezmermusik plastisch erklärt, indem er Akkorde im „westlichen Moll“ anschlägt und sie dem entsprechenden Akkord gegenüberstellt, wie er in der Klezmermusik klingt. „Nur ein Ton Unterschied. Haben Sie es gehört?“ fragt er in die Runde. Allgemeine Zustimmung und Alex hat wieder neue Kenner seiner Musik gewonnen.

Nach dem begeisterten Applaus versammelte sich ein großer Kreis um den Künstler und sein Instrument. Jacobowitz gab fast eine Stunde lang Auskunft und warb für sein Anliegen,

Erst gegen 23.00 Uhr verließen die letzten Gäste die ehemalige Synagoge mit dem Bewusstsein, eine angemessene Würdigung von Pfarrer Walz, dem Spiritus Rector des Träger- und Fördervereins ehemalige Synagoge Obernbreit e.V. und einen großen Künstler im Einsatz für Frieden und Verständigung erlebt zu haben.