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Eigenmächtig hatte der Träger- und Förderverein ehemalige Synagoge Obernbreit e.V. das Motto des diesjährigen Tages des offenen Denkmals umformuliert in „Macht und Machtmissbrauch“. Und das aus gutem Grund. Vor genau 75 Jahren am 10. Dezember 1942 wurden die letzten jüdischen Bürgerinnen und Bürger Obernbreits deportiert. In einem Feature von teils veröffentlichten Dokumenten aus dem Staatsarchiv und solchen aus Privatbesitz, sollte an diesem historischen Tag an die Brüder Leopold und Rudolf Sänger erinnert und an die Opfer gedacht werden.

Mit Beispielen aus der Wochenschau vom September 1942 und historischen Photos aus Obernbreit wurde das Publikum zurück versetzt in das Jahr 1942. In ein Obernbreit, in dem damals noch eine große Anzahl von Wirtschaften, Handwerksbetrieben und Läden ein Einkaufszentrum für das Umland war. Es wurde gezeigt, wie dieser Ort eingebunden war in die politische Situation unter der besonders die Juden litten. Passagen aus offiziellen Aufrufen und Gesetzen verdeutlichten dies:

Wer bei den Sängers kaufte riskierte eine Anzeige. Den Juden waren politische und bürgerliche Rechte aberkannt worden und Leopold Sänger wurde bestraft, weil er ohne behördliche Genehmigung nach Würzburg gefahren war.

All das führte zum letzten Akt der Katastrophe, der am 10. September 1942 mit der Deportation begann und für Rudolf am 13.11.1942, für Leopold am 20.12.1942 im KZ Theresienstadt endete.

Obwohl Verwandte der Sängers bis heute den Kontakt zu Obernbreit suchen, soll, was geschehen ist, nicht relativiert werden, so wie es nicht ungeschehen gemacht werden kann.

Dass es bei dem Abend nicht nur um die Erinnerung an das Unrecht vor 75 Jahren ging, sondern er auch eine Mahnung zu Toleranz und gegen menschenverachtende Ideologien sein wollte, hat das nachdenklich gewordene Publikum verstanden.

Schatten zweier Personen auf dem Pflaster
So diffus wie diese Schatten sind auch die Erinnerungen der Obernbreiter Bürger an den letzen Tag der Sängerbrüder in Obernreit. Fotomontage: J. Scherer.