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Nach einem gut besuchten, gemütlichen Nachmittag und einem wenig hinreißenden Fußballspiel waren noch einmal etwa 50 Personen in die ehemalige Synagoge gekommen, um das Jubiläum „270 Jahre Synagoge“ zu feiern. Die Gäste erlebten eine Revue des 18. Jahrhunderts aus der Perspektive Obernbreiter Chronisten:

Eine Geschichtsstunde nicht über die Schachzüge der Herrschenden, sondern über das Leben der Untertanen aus der Zeit, als man in Obernbreit eine Synagoge baute. Ungewöhnliche Naturereignisse wurden nicht aus Sensationslust protokolliert, sondern als Vorboten drohender Ernteverluste und folgender Hungersnot, so dass, wie einer bemerkte 1772 „ man das Brot zu 6/7 aus Haber und . . . selbst aus Quecken herstellte. Alles Privatbacken war untersagt. Die Verteilung des Brotes [wurde] durch eine besondere Commissio täglich auf dem Rathause vorgenommen, wobei für jede erwachsene Person täglich 1 Pfund abgegeben wurde.“ Ebenso lebensgefährlich waren Schädlinge: 1742 soll es Mäuse von allerlei Farben gegeben haben, welche das Getreide fast gänzlich verwüstet." Viehbestand war das Kapital bäuerlicher Familien. Daher waren Viehseuchen besonders gefürchtet: „Im Jahre 1731 brachten Viehhändler [. . . ] eine sehr ruinierende Viehseuche hieher, [ . . . wodurch] einhundert und 59 Stück Vieh, nämlich 57 Ochsen, 90 Kühe, 12 Stiere und 37 Stück junges Vieh gefallen sind.“

Dass der Bau der Synagoge in keiner Chronik erwähnt wird, ist nicht verwunderlich angesichts der Tatsache, dass sie nicht ein ortsbildprägendes Gebäude war, wie die zur selben Zeit erbaute Kirche und das Pfarrhaus.

Das Publikum des Abends ließ sich versetzen in eine Welt der Obernbreiter Vorfahren ohne Versicherungen und Sozialleistungen, eine Gesellschaft voll Sorgen um die Gesundheit und Kampf um das tägliche Brot. Fazit einer Besucherin: "Wie gehts uns doch gut heutzutage."

Die ehemalige Synagoge ist nach 270 Jahren nach vielen Umwegen wieder zu einem Ort geworden, an dem man sich trifft und erinnert.

Die Juden nannten ihr Gemeindezentrum ursprünglich Bet Knesset, Haus der Versammlung. Der Begriff wurde ins Griechische übersetzt mit Synagoge Zusammenkunft. Und das soll es auch weiterhin bleiben: ein Ort des Erinnerns und der Begegnung.

Der Träger- und Förderverein ehemalige Synagoge Obernbreit e.V. dankt allen, die durch ihre Mithilfe oder ihren Besuch dieses Jubiläum zu einem Erfolg werden ließen.

 

Die Akteure der Revue
Die Akteure der Revue "Als man in Obernbreit eine Synagoge baute" (v.l.n.r.: F. Schwegler, J. Scherer, J.Schwegler, L. Dürner, F. Heidecker, H. Kalamala, M. Kämmerer). Foto: M. Walz