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Sturm und Starkregen kurz vor Beginn des Konzerts konnten die etwa 70 Besucher nicht abhalten, in die ehemalige Synagoge in Obernbreit zu kommen, um das Ensemble „Sousi und die Grammaphoniker“ zu hören. Und es hatte sich gelohnt. Eine gute Stunde lang begeisterten die Musiker das Publikum mit einer pausenlosen Folge von Liedern der „Goldenen Zwanziger“. Nonsensesongs - Mein Papagei frisst keine harten Eier –, zum Thema Liebeskummer – So ein Regenwurm hat´s gut – und zu der Zeit als frivol und anzüglich empfundene Texte – Was machst du mit dem Knie lieber Hans?

Wie diese und alle anderen vorgetragenen Lieder heute noch „leben“, konnte man nicht nur am Applaus der Besucher ablesen, sondern auch daran, dass alle so von den Rhythmen der Songs so angesteckt wurden, dass sie ihnen mit kleinen Körperbewegungen folgten. Schließlich waren es Melodien, die man irgendwie kannte, aber noch nie live gehört hatte. Denn alle der in Obernbreit vorgetragenen Evergreens werden bis heute von anderen Interpreten gesungen und gespielt, so dass sie nicht mehr ihren eigentlichen Textern und Komponisten zugeordnet werden. Viele von ihnen hatten nach 1933 Auftrittsverbot, wurden verhaftet, weil sie selbst Juden waren oder jüdische Künstler unterstützten; sie flohen ins Ausland oder wurden im KZ ermordet. Ihre Werke wurden als „unarisch“ verboten.

Die ehemalige Synagoge hat mit dieser Veranstaltung wieder einmal ihre Funktion als Ort des Erinnerns und der Begegnung erfüllt. In Erinnerung an die Geschichte des Raumes gab das Ensemble das Yiddische Kinderlied: Un as der rebe singt, un as der rebe singt, singen ale chassidim. Über viele Strophen wird hier der jüdische - sprich menschliche - Charakter beschworen: überschäumend froh, hoffnungslos traurig, unendlich müde.

 

Foto der Band Sousi und die Grammophoniker
Sousi und die Grammophoniker in der ehemaligen Synagoge. Foto: M. Walz