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Victor Klemperer
LTI: Notizbuch eines Philologen (1947)
(Lingua Tertii Imperii – die Sprache des Dritten Reiches)
Werk – Wirkung – Warnung


Victor Klemperers bedeutsames Nachkriegswerk ist ein autobiografisch geprägtes und zugleich zeitgeschichtliches Aufklärungsbuch über die Verbreitung nationalsozialistischer Denk- und Sprechweisen in der Alltagskommunikation in nahezu allen Lebensbereichen sowie über die Manipulation einfacher und gutgläubiger Menschen, darunter auch Angehöriger der jüdischen Bevölkerung, durch die Nazipropaganda in den Jahren 1933–45. Der Romanist, Literaturwissenschaftler, Publizist und Hochschullehrer Victor Klemperer (1881–1960) untersucht in seinem Notizbuch eines Philologen in einer Folge von Essays das Vokabular des NS-Staates in Presse, Rundfunk und öffentlichen Reden.
Thematische Schwerpunkte seiner kritischen Sprachanalyse, die in dem Vortrag erörtert werden, sind die antisemitische Rassenlehre; das Vokabular des Militärs und der Kriegsführung; Bezeichnungen für Propagandaaktionen zur Mobilisierung der Volksmassen sowie die innenpolitische Einflussnahme des NS-Regimes auf Personennamen und die außenpolitische Festlegung geografischer Namen für die im Krieg besetzten Gebiete.
Aufschlussreich sind Victor Klemperers Gesprächsanalysen in konfliktären oder kooperativen Situationen, im Nazi-Jargon oder familiären Umgangston. Durch seine Problemsicht und empirische Methode wurde Victor Klemperer zum Vordenker auf solchen Gebieten der Linguistik, die erst in späteren Jahrzehnten theoretische Gestalt annahmen. Erneut aktuell ist sein Werk LTI als Warnung vor Begriffen und Bezeichnungen der NS-Zeit für populistische Zwecke in der Gegenwart.

Professor em. Dr. phil. habil. Rosemarie Gläser, geboren in Dresden, studierte 1954–59 an der Universität Leipzig Anglistik/Amerikanistik, Germanistik und Pädagogik. Dort wurde sie nach ihrer Promotion und Habilitation zur Hochschuldozentin berufen und erhielt 1980 eine außerordentliche Professur für englische Sprache. 1992 erfolgte die Berufung auf eine ordentliche Professur für Angewandte Sprachwissenschaft/Fachkommunikation.

Nach ihrer Emeritierung im Jahr 2000 widmete sie sich der Pflege der jüdischen Erinnerungskultur in ihrer Heimatstadt Dresden und beschäftigte sich eingehend mit dem Leben und Werk Victor Klemperers und seiner beiden Ehefrauen Eva und Hadwig, insbesondere deren Mitwirkung bei der Rettung und Veröffentlichung seiner Tagebücher.

Rosemarie Gläser ist Mitglied des Freundeskreises Dresdner Synagoge e.V.

Foto von Victor Klemperer
Victor Klemperer. Bildnachweis: SLUB Dresden / Deutsche Fotothek / Ursula Richter

Ort: Ehemalige Synagoge Obernbreit

Termin: 6. Juni 2019

Beginn: 19.30 Uhr

Der Eintritt ist frei